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Im Netz der neuen Medien

7. Mai 2008

Gemeinsame Pressemitteilung der Ständigen Konferenz der Innenminister und -senatoren der Länder, der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder, der Jugend- und Familienministerkonferenz und der Projektleitung Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes

Gemeinsame Initiative der Fachministerkonferenzen gegen Kriminalität rund ums Internet

Neue Broschüre informiert über Gefahren bei neuen Medien – bundesweit erste Schulungen von Lehrkräften zum Umgang mit jugendgefährdenden Inhalten im Internet, auf Schülerhandys und in Computerspielen angelaufen

Stuttgart – Sie sind längst drin in der virtuellen Welt: Bei Kindern und Jugendlichen herrscht inzwischen „Vollversorgung“ bei Mobiltelefonen und beim Zugang zu Computern und Internet. Das zeigen die jüngsten Studien über den Umgang der Sechs- bis 19-Jährigen mit Medien. Neben Familie, Freundeskreis, Schule oder Kirche beeinflussen Medien die Wertvorstellungen und das Verhalten der Kinder und Jugendlichen erheblich. Es gehört deshalb zu den grundlegenden Erziehungsaufgaben, sie zu einer sachgerechten und umsichtigen Mediennutzung zu befähigen. Doch nur wer sich selbst auskennt, kann diese Kompetenz auch weitergeben. Zur Förderung der Medienkompetenz haben daher Vertreter der Kultusministerkonferenz (KMK), der Jugend- und Familienministerkonferenz (JFMK) und der Innenministerkonferenz (IMK) eine ressortübergreifende Fortbildungsinitiative gestartet und die Handreichung „Im Netz der neuen Medien“ herausgegeben. Erste Schulungen für Lehrkräfte zur Umsetzung der Informationen im Unterricht sind bereits in Hildesheim und Karlsruhe angelaufen.

„Ein Leben ohne Medien ist in unserer Gesellschaft nicht mehr vorstellbar. Ob Freizeit, Schule oder Beruf – Computer und Internet haben das tägliche Leben längst erobert“, sagte der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm. „Allerdings ist bei allen Vorzügen dieser unendlichen Informationsvielfalt aber auch festzustellen: Neben nützlichen, informativen und unterhaltsamen Angeboten gibt es viele fragwürdige bzw. auch rechtlich bedenkliche Inhalte. „Datenmüll“ und „Infoschrott“, gewaltverherrlichende, pornografische und rechtsextremistische Inhalte stellen eine Herausforderung für unsere Gesellschaft dar.“

„Wir müssen lernen, die Chancen, die die neuen Medien bieten, aktiv zu nutzen. Wir dürfen aber auch Gefahren und Risiken nicht unterschätzen“, fügte Schönbohm hinzu. Es ist wichtig zu erkennen, dass die neuen Medien auf keinen Fall Ersatz für die elterliche Fürsorge und Erziehung sein können. Daher ist es unabdingbar, Kindern und Jugendlichen die Kompetenzen zu vermitteln, die für einen souveränen und kritischen Umgang mit den Medien und ihren Inhalten bedeutsam sind. Dies lernt sich nicht von alleine. Kinder und Jugendliche, aber auch Elternhaus und Schule brauchen dabei Unterstützung.

Zentraler Baustein der Initiative ist die Handreichung „Im Netz der neuen Medien“. Sie dient als Einführung in das Thema und beinhaltet Basisinformationen mit Präventionstipps zum Umgang mit jugendgefährdenden Inhalten im Internet, auf Schülerhandys und in Computerspielen. Zielgruppen der Informationen sind Lehrkräfte, Fachkräfte in der außerschulischen Jugendarbeit und Polizeibeamte in der Jugendsachbearbeitung. Jedes Kapitel beschreibt jeweils die Ausgangssituation, beleuchtet rechtliche Aspekte und gibt praktische Präventionstipps für die genannte Zielgruppe und Hinweise für deren Umsetzung bei den Eltern, Jugendlichen und Kindern. Außerdem beinhaltet die Broschüre Hinweise auf weitere Materialien und Informationsquellen. Aufbauend auf der Handreichung finden bundesweit Fortbildungsveranstaltungen für Multiplikatoren nach dem Schulungskonzept „Internetsicherheit und Jugendmedienschutz“ von klicksafe und Schulen ans Netz e.V. statt, die die Initiative begleiten.

Mit der gemeinsam erarbeiteten Fortbildungsinitiative wollen die Partner erreichen, dass Kinder und Jugendliche lernen, die neuen Medienangebote kompetent, selbstbewusst und vor allem sicher zu nutzen. Ein wichtiges Kapitel der Broschüre befasst sich mit dem Problem der Verletzung von Persönlichkeitsrechten durch heimliche Bild- und Tonaufnahmen und deren Veröffentlichung. Fälle von so genanntem „Internet-Mobbing“ bzw. „Cyber-Bullying“ häufen sich an immer mehr Schulen. Dabei sind sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Lehrkräfte betroffen. So werden z.B. heimliche Bild- oder Filmaufnahmen im Unterricht, in der Umkleidekabine oder Schultoilette gemacht und per MMS, drahtlos von Handy zu Handy oder über das Internet verbreitet, oder Lehrkräfte werden in Chaträumen, Internetplattformen diffamiert und beleidigt.

„Dass hier Persönlichkeitsrechte verletzt werden und häufig sogar ein Straftatbestand erfüllt ist, ist vielen gar nicht bewusst“, so Erwin Hetger, Vorsitzender der Projektleitung Polizeiliche Kriminalprävention und Landespolizeipräsident von Baden-Württemberg. „Deshalb ist es wichtig, die Jugendlichen fachlich kompetent aufzuklären, die Folgen für das Opfer zu verdeutlichen und klar zu machen, dass es sich hierbei nicht um einen „Dumme-Jungen-Streich“ handelt. Denn eine einmal ins Internet eingestellte Aufnahme oder ein eingestelltes Video verbreitet sich sehr schnell und kann nicht mehr zurückgeholt bzw. gelöscht werden. Dies stellt eine enorme Belastung für das Opfer dar.“

Fachleute geben hierzu folgende Sicherheitstipps und Empfehlungen:

  • Entwickeln Sie als Eltern bzw. Lehrkraft gemeinsam mit Ihrem Kind bzw. den Schülerinnen und Schülern Handy-Nutzungs¬regeln, verbunden mit umfassender Aufklärung über typische Gefahren und Probleme beim Einstellen oder Verbreiten von Bildern im Internet oder per Handy. Vereinbaren Sie, welche Sanktionen bei Verstößen angewandt werden und setzen Sie diese konsequent um.
  • Kinder und Jugendliche sollten nicht direkt auf beleidigende E-Mails oder SMS antworten, sondern Erwachsene (Eltern, Vertrauenspersonen) informieren.
  • Schalten Sie die Polizei ein, wenn der Verdacht einer Straftat besteht. Sie sollten Beweismaterial aufbewahren, z.B. Bilder oder Daten abspeichern.

Darüber hinaus informiert die Handreichung „Im Netz der neuen Medien“ auch über den Jugendschutz in interaktiven Diensten, z.B. Chatforen und Kommunikationsplattformen. Ferner werden die Handlungsfelder jugendgefährdende Inhalte im Internet, Computerspiele und die rechtlichen Regelungen, die Gefahren des Handys als Multifunktionsgerät und die Sicherheit im Datenverkehr aufgegriffen.

„Die Handreichung „Im Netz der neuen Medien“ ist eine sinnvolle Ergänzung zu den vielfältigen intensiven präventiven Maßnahmen, die bereits seit langem an deutschen Schulen durchgeführt werden“, so Annegret Kramp-Karrenbauer, Ministerin für Bildung, Familie, Frauen und Kultur des Saarlandes und Präsidentin der Kultusministerkonferenz. „Besonders begrüße ich, dass das Knowhow der Fachminister in diese gemeinsame Initiative einfließt und dadurch ein effektives, ressortübergreifendes Netzwerk geschaffen wird, das letztlich den Kindern und Jugendlichen zugute kommt.“

Kinder und Jugendliche sollen nicht nur einen verantwortungsvollen Zugang zu Informationen erhalten, sondern auch eine altersgerechte Medienunterhaltung in ihrer Freizeit nutzen können. „Jugendschutz.net leistet bereits jetzt wertvolle Arbeit. Die medienpädagogische Aufklärungsarbeit ist nicht nur für die jungen Nutzerinnen und Nutzer wichtig, sondern unterstützt auch die Pädagoginnen und Pädagogen. Gemeinsam mit jugenschutz.net werden wir uns als JFMK diesem Ziel weiter annehmen“, so der Berliner Jugendsenator und Vorsitzender der JFMK, Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner.

Weiterführende Informationen zu dieser Initiative und zu den einzelnen Handlungsfeldern im Bereich der neuen Medien sowie die Broschüre „Im Netz der neuen Medien“ wurden speziell für Lehrer- und Jugendfachkräfte sowie für Eltern und Erziehungsverantwortliche unter www.polizei-beratung.de veröffentlicht.

Dateianhang PM_ImNetzderNeuenMedien.doc 

08.01.2009